Folge deinem Herzen

Vor kurzem habe ich den Satz „Folge deinem Herzen“ zum ersten Mal so richtig bewusst verstanden. Ich habe mir dann die Frage gestellt: Was will mein Herz überhaupt? Ich habe begonnen in mich rein zu horchen und versucht zu ergründen, was ich tief im inneren will. Was die Leere, die ich immer häufiger in mir spürte, füllen könnte.

Ich habe bis dahin nie so wirklich realisiert, dass mein Herz einen ganz konkreten Wunsch hat, den Ruf danach, habe ich immer wieder vernommen, aber nie ernst genommen bzw. nie so richtig verfolgt.

Ich habe in der letzten Zeit auch gemerkt, dass mein Beruf als Finanzbuchhalterin mich nicht mehr erfüllt. Ich gehe nicht mehr gerne zur Arbeit, mir macht das ganze eigentlich keinen Spaß mehr, weil ich immer denke „Warum tust du das eigentlich?“. Ich habe so eine Leere in mir gespürt und mittlerweile weiß ich auch was der Grund dafür ist:

Mein Herz verlangt Kreativität!

Tja, jetzt frast du dich bestimmt, warum ich als Buchhalterin arbeite, wenn ich doch eine kreative Ader habe. Das ist eine sehr gute Frage, welche ich mir erst vor kurzem selber beantworten konnte.

Schon als kleines Kind habe ich immerzu gemalt. Egal ob es Mickey Maus, die Diddl Maus oder sonstige Dinge waren. Ich habe oft und gerne gemalt. Irgendwann haben wir in der Schule Kunst als Fach bekommen und irgendwie hat mir das Malen dort keinen Spaß mehr gemacht. Wir bekamen Noten auf unsere Kreationen, die ich meist als unfair empfand. Irgendwann habe ich das mit dem Malen dann auch sein gelassen, weil ich das Gefühl hatte nicht gut genug zu sein.

Ich habe stattdessen – und ich weiß heute nicht mehr wirklich, wie ich damals mit 13 darauf gekommen bin – angefangen Webdesign zu machen. Ich war da auch gar nicht schlecht darin. Jahrelang habe ich eine Homepage geführt, die ich selber mit HTML & CSS und zum Teil sogar PHP erstellt hatte. Ich habe auch die Grafiken, Bildbearbeitungen etc. für das Layout selber gemacht mit einem Programm, welches ich mir damals für 15€ von meinem Taschengeld gekauft hatte. Ich ging richtig darin auf und habe jede freie Minute damit zugebracht an meiner Webseite zu arbeiten. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und als ich dann 16 Jahre alt war und die Berufswahl zum ersten Mal für mich ein Thema wurde, wollte ich unbedingt Mediengestalterin werden. Ich wollte in einer Werbeagentur arbeiten oder noch besser – das war meine Antwort, wenn mich jemand gefragt hat was ich werden will – das Design meiner damaligen Lieblingszeitschrift der „Jolie“ gestalten. Ich habe dann auch eine Bewerbung an eine Werbeagentur in der Nähe geschrieben und wurde sogar zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, aber irgendwie hat mich das alles überfordert und dann habe ich mich doch dafür entschieden eine weiterführende Schule zu besuchen und mein Abitur zu machen. Ich war nämlich in der Schule in den „Zahlenfächern“ Mathematik und Betriebswirtschaft sehr gut und das hat mir auch irgendwie Spaß gemacht, darum entschied ich mich nun zum ersten Mal für die „Zahlen“ und gegen die Kreativität.

Ich besuchte also die Fachoberschule und machte mein Abitur. Nebenbei habe ich meine Webseite zu einem kleinen Blog auf Blogspot verlagert und regelmäßig gebloggt. Ich habe mir auch eine Spiegelreflexkamera zugelegt und habe das digitale Fotografieren gelernt. Auch das hatte mich wieder sehr erfüllt, weil die Fotografie und der Blog wieder mein Herz und meine Kreativität angesprochen hat. Dennoch habe ich mein Abi gemacht und stand nun vor der Wahl „Was willst du studieren?“. Ich habe lange nach einem passenden Studium für mich gesucht. Habe sogar einen Studiengang gefunden, der Wirtschaft und mein Interesse für Mediendesign unter einen Hut bringt, aber dafür hätte ich in eine andere Stadt ziehen müssen, und außerdem gab es da Aufnahmeprüfungen, welche man bestehen musste. Und was habe ich gemacht? Natürlich wieder den leichten und „vernünftigen“ Weg gewählt und einfach BWL studiert. Es ist richtig, dass ich immernoch eine gute Zahlenaffinität hatte und mir das auf eine gewisse Art auch immer Spaß gemacht hat, aber so erfüllt wie die Fotografie oder das Webdesign oder das Malen hat mich das nie. Und so habe ich mich wieder für die Zahlen und gegen die Kreativität entschieden. Ich wollte dann als Studienschwerpunkt Marketing nehmen, weil man in der Werbung auch kreativ sein kann. Natürlich habe ich mich dann nach dem dritten Semster auch wieder dagegen entschieden und habe lieber den Schwerpunkt Finanzmanagement gewählt, weil der Großteil meiner Kommilitionen den Schwerpunkt Marketing gewählt haben und ich fürchtete, dass ich so in der Masse untergehe.

Wenn man sich das einmal so zurückblickt, stellt man fest, dass ich mich wirklich bei jeder Entscheidung gegen mein Herz entschieden habe und mich somit immer weiter von meinem eigentlichen Herzenswunsch entfernt habe.

Schuld daran sind meine negativen Glaubenssätze. Ich habe immer an mir gezweifelt. „Ich bin nicht gut genug“, „Ich bin nicht kreativ genug“, „In einem kreativen Beruf verdient man nicht so gut“, „Alle anderen sind besser als ich“ etc. Außerdem war ich schon immer jemand, der lieber den angenehmen Weg wählt, als den steinigen und schweren.

Ich bin dennoch froh, dass ich nun endlich den Ruf meines Herzens wahrgenommen habe und endlich darauf reagieren kann. Ich fange jetzt wieder an zu bloggen und vielleicht ja sogar wieder zu fotografieren. Vielleicht mache ich irgendwann noch eine Aus- oder Weiterbildung, sodass ich irgendwann mal einen kreativen Beruf ausüben kann? Wer weiß, was passiert wenn ich ab jetzt viel öfter auf meinem Herz höre und nicht mehr nur meinem Kopf?

Es tut gut endlich zu wissen, was einem wirklich von Herzen gefällt und dem nachzugehen und wenn es nur in der Freizeit ist und nicht Hauptberuflich. Es füllt die Leere in einem und macht uns somit wieder ganz.

Geht es dir vielleicht ähnlich wie mir? Hast du auch einen langen Weg hinter dir, auf dem du immer nur deinem Kopf aber nie deinem Herzen gefolgt bist? Bitte gehe einmal in dich und höre in dich hinein. Folgst du bereits deinem Herzen oder sabotierst du es ebenso, wie ich es jahrelang getan habe? Vielleicht dauert es auch etwas – wie  bei mir – bis du versteht, was du wirklich gerne machen willst, aber gib nicht auf und höre immer wieder in dich hinein. Dein Herz ruft immer wieder nach dir – du musst nur zuhören und dem Ruf folgen.

Folge deinem Herzen und vergiss nicht: Sei wild und wunderbar!

Alles Liebe,

Julia